Theater ahoy - Clockwork Orange
Shownotes
In dieser Woche hat Jeanne von ahoy ein sehr spannendes, aber auch brutales und angsteinflößendes Theaterstück für euch: CLOCKWORK ORANGE im Ernst Deutsch Theater.
Am Donnerstag, den 24. September feiert die Inszenierung Premiere.
Passend dazu hat Jeanne ein Interview mit der Regisseurin Franziska Autzen geführt. Schaltet ein!
Transkript anzeigen
00:00:01: Was
00:00:12: wäre, wenn man einem Menschen einfach die Fähigkeit nehmen könnte, gewalttätig zu sein?
00:00:18: Genau darum geht es in Clockwork Orange nach dem Roman von Anthony Burgess.
00:00:22: Im Mittelpunkt steht Alex, der mit seinen Drucks durch die Nacht zieht und Gewalt für ein Spiel hält!
00:00:27: Nach einer Vorurteilung landet er aber am Gefängnis und lässt sich dort auf eine ziemlich umstrittende Umerziehungsmethode ein.
00:00:34: Er wird gezwungen, brutalste Videos anzusehen bis der Gewalt nicht mehr ertragen kann.
00:00:40: Alex wird danach als Gehalt entlassen – doch damit beginnt die eigentliche Horrorshow erst!
00:00:45: Passend zur Premiere habe ich mit der Regisseurin Franziska Auzen ein sehr tolles Interview geführt und dabei standen vor allem die Themen Männlichkeit und Gewalt im Vordergrund.
00:00:55: Als erstes hat mich aber natürlich interessiert, warum man sich gerade dazu entscheidet so ein intensive Stück auf die Bühne zu bringen.
00:01:02: Und am Anfang war Franziska Autzen selbst auch gar nicht so begeistert davon!
00:01:24: Also weil der Roman ist nochmal um ein Vielpare schlimmer als der Film tatsächlich.
00:01:29: Und ich habe so gemerkt, dass mir so schlecht war!
00:01:32: Ich war so angeekelt... Und aber immer, wenn ich so den Leuten erzählt habe, dass ich Clockwork Orange mache.
00:01:38: Wann immer alle so, ah echt?
00:01:40: Oh wie geil ist das denn!
00:01:41: Als sie sich dann mehr mit dem Buch beschäftigt, geht ihr eine Frage nicht mehr aus dem Kopf.
00:01:46: Warum wird diese Alex-Figur so ikonisiert?
00:01:49: Die Regisseurin sieht dann nämlich ziemlich viele Parallelen zur Realität.
00:01:52: Ich
00:01:52: hab das Buch letztes Jahr gelesen.
00:01:55: Das ging ein Herr mit der ganzen Epstein Geschichte Mit den Epstein Akten und wo dann immer mehr rauskam Wer da alles involviert war Und gleichzeitig hing hier um die Ecke ein Plakat von Rammstein, dass sie wieder auf Tour gehen und Konzerte geben.
00:02:09: Ich dachte so was ist los mit den Leuten?
00:02:12: Also warum kann Epstein, Weinstein, Christian Ulm, Till Lindemann also warum können die alle so lange Verbrechen begehen oder Menschen traumatisieren oder Gewalt ausüben und werden dabei geschützt und werden dann noch nicht mal vor das Gericht gezogen, sondern die können sich dann einfach rehabilitieren.
00:02:36: Das habe ich mich so gefragt tatsächlich anhand des Buches und auch anhand der
00:02:40: Alex-Figur.".
00:02:41: Dabei geht es in der Inszenierung nicht darum den Zuschauenden einen Spiegel vorzuhalten, sondern eher darum Fragen aufzuwerfen und zum Nachdenken anzuregen.
00:02:50: Mein Ansatz ist tatsächlich dass man sich selber die Frage stellen muss also genauso wie Burgess, dass auch Anthony Burgess das gemacht hat Die Frage nach gut und böse, richtig und falsch.
00:03:00: Ich erzähle praktisch Alex-Taten und Gewalttaten, und erzähle die Geschichte.
00:03:06: Und dann muss man glaube ich selber entscheiden wie man das findet und auf welcher Seite man stehen will ist vielleicht ein bisschen blöd gesagt aber geht ja gerade wieder so eine Tendenz dahin zum starken Mann, zum starker Führungswesen was man auch innerhalb unserer Regierung sieht.
00:03:24: Ist es nicht zerstörerisch oder ist es nicht wahnsinnig auslogend und ermüdend, wenn es immer darum geht wer ist der stärkste?
00:03:31: Wer ist der fitteste?
00:03:33: Und immer diese Machtkämpfe oder Ränkespiele?
00:03:37: geht das nicht viel mehr um einen Miteinander.
00:03:39: Aber Nicht nur Männlichkeit spielt eine Rolle sondern natürlich auch das Thema Gewalt.
00:03:44: Deshalb habe ich noch einmal nachgefragt, wie Gewalt auf der Bühne gezeigt werden kann ohne sie einfach abzubilden oder zu reproduzieren.
00:03:50: Ich
00:03:51: will Gewalt nicht reproduziert.
00:03:52: Also ich muss keine Vergewaltigung... also ich hab mir geschworen auf meiner Bühnen wird nie eine Frau vergewaltigt werden weil wir das so oft schon gesehen haben.
00:04:02: Wir sehen es im Fernsehen, wir lesen das in Krimis.
00:04:05: Wir hören das in den Nachrichten jeden zweiten Tag ein Femizid.
00:04:11: Aber tatsächlich hatte ich nicht so große Angst, weil mir geht es gar nicht so sehr auch um die körperliche Gewalt als auch eine psychische Gewalt.
00:04:18: Also Gewalt gibt's ja eigentlich einfach in vielen, vielen Formen und da habe ich versucht einen Weg zu finden ohne jetzt sage ich mal Gewalt wie wir sie aus den Nachrichten kennen zu
00:04:29: reproduzieren.".
00:04:30: Und da kommt dann auch die Frage auf wer am Ende eigentlich der Böse ist?
00:04:35: Oder doch der Staat?
00:04:36: Ich glaube, dass manche Menschen sich vielleicht auch einfach dafür entscheiden böse zu sein oder gewaltvoll zu sein.
00:04:42: Also das ist einfach eine Entscheidung an sich.
00:04:45: entweder ich entscheide mich dafür oder dagegen aber der Staat hat gewisse Gewaltformen glaube ich adaptiert also Börgeschreibt irgendwo.
00:04:56: Früher gab es Gewalt im Privaten, mittlerweile hat die Regierung das auch übernommen.
00:05:01: Ich glaube ehrlicherweise dass Alex und der Staat sich da nicht so viel nehmen.
00:05:05: Falls ihr jetzt neugierig geworden seid am Donnerstag den vierundzwanzigsten September feiert das Theaterstück Premiere im Ernst-Deutsch-Theater.
00:05:13: Theater Ahoy!
00:05:15: Was geht in Hamburgs Theaterhäusern?
00:05:18: Was für ein Theater hier...
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