Theater ahoy - Die Optimistinnen / Meine Damen und Herren / Gob Squad / Ole Liebl
Shownotes
Jeanne war wieder auf der Suche nach den spannendsten Inszenierungen in Hamburg. Das Highlight in dieser Woche:
Ein Interview mit Regisseurin und Intendantin des Ernst Deutsch Theaters, Ayla Yeginer, über das Theaterstück die Optimistinnen.
Außerdem im Programm:
- Meine Damen und Herren / Gob Squad - „Das Wutschwert muss man herausziehen, bevor es weitergeht“
- Ole Liebl mit seiner Lesung
Transkript anzeigen
00:00:01: Theater Ahoy.
00:00:03: Alles zu Hamburgstheatern bei Ahoi-Radio, Termine, Kritiken und Verlosungen – hier bekommt ihr einfach alles!
00:00:11: In den neunzehntiebziger Jahren kommen sie nach Deutschland.
00:00:14: Frauen aus Istanbul, Spanien oder vom Schwarzen Meer.
00:00:18: Sie haben Hoffnung im Gepäck und den Wunsch nach einem besseren Leben.
00:00:22: Doch statt eines einfachen Neuanfangs erwarten die enge Wohnheimszimmer eine fremde Sprache harte Arbeit für weniger Geld als ihre männlichen Kollegen.
00:00:32: Genau davon erzählt die Optimistinnen nach dem Roman von Gühntank.
00:00:36: Im Mittelpunkt stehen nur Thüler und Mercedes, drei Gastarbeiterinnen, die sich mit den Bedingungen in der Fabrik nicht abfinden wollen und gemeinsam für mehr Rechte kämpfen.
00:00:45: Und weil einige der Themen bis heute ziemlich aktuell sind habe ich mit der Regisseurin und auch Intendanten des Ernst-Deutsch-Theaters Eiler Jegena über das Stück und die Geschichte dahinter gesprochen.
00:00:55: Im Mittelpunkt stehen Frauen, genauer gesagt negrantische Frauen die für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen.
00:01:01: Deshalb hat mich als erstes interessiert was Eiler an dieser Geschichte besonders gereizt
00:01:05: hat.
00:01:05: Was mich besonders bewegt an dem Stoff ist die Erschütterung darüber wie wenig ich über Gastarbeiterinnen wusste überhaupt über diese ganze Frauen und GastarbeiterInnen.
00:01:16: Bewegung Denn das ist genau das Stück und auch der Roman von Günthang anknüpfen, dass man eben sagt es geht immer nur um die Männer.
00:01:24: Und da muss ich mich tatsächlich auch so ein bisschen an der eigenen Nase packen.
00:01:29: Und dann habe ich jetzt schon einfach einen sehr persönlichen Zugriff darauf.
00:01:31: oder einen persönlichen Zugriff weil meine Familie, meine Großeltern in der Zeit etwas früher als im Roman aber auch in derzeit aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind.
00:01:41: Genau das ist noch mal viel so... mit der eigenen Familiengeschichte so zu tun hat.
00:01:46: Dabei geht es auch um Ungleichheit und darum, wessen Stimme eigentlich gehört wird?
00:01:50: Ich hab deshalb nachgefragt wie man so eine Geschichte auf die Theaterbühne bringen ohne die Frauen nur auf ihr Leid und die Ungerechtigkeit zu reduzieren.
00:01:57: Dafür hat uns Günthank schon ne hervorragende Vorlage geliefert mit ihrem Roman denn er heißt ja nicht umsonst die Optimistinnen!
00:02:05: Und das ist auch der Tenor finde ich dass sich da so durchträgt.
00:02:07: also es geht wirklich um Kraft, um Stärke, um Mut um Gerechtigkeitssinn.
00:02:14: Und das ist gar keine Geschichte, die irgendwie ... ja, die Groß im Leid sich zuholt.
00:02:19: Sondern es ist eher eine Geschichte, in der sie Kraft entfesselt und diese Frauen wirklich auch realistisch begeben haben um so große Dinge zu erkämpfen.
00:02:28: und es ist ja schon auch die Geschichte der Gastarbeiter, also auch der männlichen Gastarbeiter.
00:02:33: Aber die Vorreiterinnen waren eben tatsächlich die Frauen!
00:02:35: Ja ihr habt es schon gehört Kraftstärke und Mut sind also wichtige Eigenschaften der Frauen oder wie Eila sie noch besser beschreibt – Die Vorreitarinnen der Streiks.
00:02:44: aber woher nehmen Sie denn diese Kraft trotz aller Rückschläge weiterzukämpfen?
00:02:48: Ich glaube das muss man... tatsächlich auch so ein bisschen differenziert betrachten, weil die Motivation von vielen und den meisten wahrscheinlich überhaupt als Gastarbeiterin zu kommen war ja tatsächlich eine wirtschaftliche... Wir haben jetzt in diesem Fall zum Beispiel eine, die ihre Mutter zu Hause unterstützt.
00:03:04: Da gibt es hier wirklich auch ganz tragische Geschichten genau.
00:03:07: Und die haben sicherlich eine Motivationskraft aus einer großen Not heraus.
00:03:12: Die haben aber auch z.B.
00:03:14: die Perspektive von einer einfach sehr kämpferischen jungen Personen aus Neugier eigentlich sich aufmacht in die andere Welt.
00:03:22: Und sie denkt irgendwie, sie kommt nach Frankreich aber dann kommt sie nach Deutschland und die will einfach die Willgerechtigkeit.
00:03:28: also ich würde sagen die Motivation oder die Schöpfungsquellen sind wahrscheinlich unterschiedliche Aber ganz viel hat es natürlich zu tun mit dieser Kraft der Solidarität.
00:03:38: Und diese Solidaritäts ist nicht nur für die Geschichte der drei Frauen wichtig.
00:03:41: auch heute stellt sich die Frage wie wir eigentlich mit unterschiedlichen Erfahrungen und Lebensrealitäten umgehen.
00:03:47: Deshalb habe ich Eiler gefragt, welche aktuellen Bezüge sie in dem Stück sieht.
00:03:58: Die Arbeiterinenschaft gibt es ja heute genauso, da brauchen wir nicht so zu tun als hätten Leute heute alle viel bessere Jobs.
00:04:08: Also der Kampf darum faire Löhne zu bekommen eben auch und damit spreche ich jetzt nicht über Mindestlohn sondern darüber also warum haben unterschiedliche Berufe so unterschiedliche Lohnkategorien?
00:04:20: Was bringt das für ein Ungleichgewicht in unsere Gesellschaft?
00:04:24: Also da tauchten wir schon, finde ich auch in eine sehr aktuelle gesellschaftliche Lage ein.
00:04:28: Dass sich einfach immer wieder mich frage, wieso sind bestimmte Berufe so viel mehr wert als andere?
00:04:33: Und das ist hier natürlich nochmal sehr deutlich
00:04:36: herauslesbar.".
00:04:38: Es geht also nicht nur um die Geschichte dreier Frauen in den Siebzigerjahren sondern auch um Themen, die uns heute noch beschäftigen.
00:04:44: Deshalb wollte ich von Eiler wissen was wünscht sie sich dass das Publikum aus dem Stück mitnimmt
00:04:49: dass das Publikum hier in zwei ganz unterschiedliche Gruppen teilen wird.
00:04:54: Ich habe die große Hoffnung, oder ich denke, dass da sehr viele Menschen kommen werden, die eine persönliche Berührung haben mit dem Thema Gastarbeit.
00:05:02: Da ist es glaube ich ein ganz großes Thema, dass dahin geschaut wird, dass das erzählt und gezeigt wird.
00:05:08: Und der andere Teil des Publikums ist eben der, der auch in mir, also in diesen Beide-Teile, dass man einfach sagt Wahnsinn!
00:05:16: Das wusste ich überhaupt nicht.
00:05:18: Diese Streiks wurden initiiert von den Frauen.
00:05:20: Ach, so ist das gelaufen!
00:05:22: Das hat natürlich auch einen unheimlich informativen Anteil auf eine der Unterhalter und verdauerliche Weise auf jeden Fall
00:05:29: auch.".
00:05:29: Ja
00:05:29: ihr habt es gehört euch erwartet ein Theaterstück voller Emotion um politischer wie gesellschaftlicher Themen aber auch ein Abend mit Humor und türkischer Musik.
00:05:39: Die Optimistinnen feiert am Freitag den sechzehnten Oktober Premiere im Ernst-Deutsch-Theater.
00:05:45: Kennt ihr das?
00:05:46: Ihr seid eigentlich richtig wütend und dann heißt es sofort beruhigt dich mal.
00:05:51: Genau mit diesem Gefühl beschäftigt sich die Performance, dass Wutschwert muss man herausziehen bevor es weitergeht.
00:05:57: Dafür treffen zwei ziemlich besondere Theatergruppen aufeinander – und zwar die Hamburger Gruppe.
00:06:01: Meine Damen und Herren Gemeinsam machen sie die Wut zum Mittelpunkt ihrer ersten Zusammenarbeit.
00:06:08: Denn warum sollen wir eigentlich immer ruhig, nett und dankbar sein?
00:06:11: Und was passiert eigentlich wenn wir unsere Wut einfach mal nicht runter schlucken?
00:06:16: Auf der Bühne geht es deshalb um die verschiedenen Seiten des Gefühls denn Wut kann uns nämlich antreiben Es kann Grenzen setzen oder auch Veränderungen anstoßen Aber manchmal ist es vielleicht besser einmal tief durchzuatmen und bis zehn zu ziehen.
00:06:29: Euch erwartet also eine Performance über ein Gefühl das wir wahrscheinlich alle kennen.
00:06:34: Das ganze feiert am Freitag, den sechzehnten Oktober Premiere auf Kampnagel.
00:06:39: Wann habt ihr eigentlich das letzte Mal mit einem Freund wirklich über eure Gefühle gesprochen?
00:06:44: Also nicht nur so über den Job, Fußball oder den nächsten Urlaub sondern über das was euch wirklich beschäftigt!
00:06:50: Genau mit dieser Frage beschäftigt sich Ole Liebel in seinem Buch Brutalfragile Typen Denn Männer lernen oft schon früh, ihre Gefühle eher für sich zu behalten.
00:06:58: Zu.
00:06:59: Gefühlen wie Trauer, Zweifel oder Verletzlichkeit rücken oftmals in den Hintergrund, während Wut, Stolz und Freude leichter nach außen getragen werden.
00:07:07: Aber was macht das eigentlich mit Männern?
00:07:08: Und warum hält sich so ein System überhaupt?
00:07:11: In dem Buch geht es also um Männlichkeit, Gefühler und auch um die Frage, wie wir emotional auf Augenhöhe miteinander umgehen können.
00:07:18: Dabei geht's nicht nur um persönliche Erfahrungen sondern auch um gesellschaftlichen Strukturen dahinter!
00:07:24: Und bei seiner Brutalfragil-Tour bringt Ole Liebel diese Gedanken jetzt auf die Bühne.
00:07:28: Und zwar am Sonntag, den achtzehnten Oktober, da findet die Lesung im Zentralkomitee statt.
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